Vitamine als Therapie - nicht nur bei Erkältungen

Vorbei die Zeiten, als Vitamine lediglich als Helferlein bei Allerweltsbeschwerden wie Erkältungen galten. Neue Untersuchungen zeigen, dass in den Wirkstoffen mehr Heilkraft steckt als bisher vermutet. Aufsehen erregende wissenschaftliche Erkenntnisse zwingen Ernährungsexperten zum Umdenken.

Gemeinsam mit verwandten Substanzen setzen Mediziner beispielsweise Vitamin E weltweit mit Erfolg gegen Herzinfarkt, geistigen Abbau und sogar Krebs ein. Vitamin A beugt Hautkrebs vor.

Als Durchbruch in der Vitaminforschung gilt eine Untersuchung der Universität Cambridge. Die Briten verabreichten einem Teil ihrer 2002 Versuchspersonen, die an Verkalkung ihrer Arterien litten, eineinhalb Jahre lang täglich Vitamin-E-Pillen, einem anderen Teil Scheinpräparate. Ergebnis: In der Gruppe der Vitaminschlucker sank die Herzinfarktrate um 47 Prozent.

Die krebsvorbeugende Wirkung von Vitaminen unterstreicht ein statistischer Vergleich des Harvard-Wissenschaftlers Shumin Zhang. Er wertete Daten der „Krankenschwestern-Gesundheitsstudie“ aus, bei der mehr als 80 000 US-amerikanische Pflegerinnen 14 Jahre lang regelmäßig über Ernährung und Gesundheitszustand befragt worden waren. Dabei zeigte sich unter den jüngeren Frauen vor den Wechseljahren ein deutlicher Zusammenhang zwischen vitaminreicher Kost und Brustkrebsschutz. Frauen, die täglich mehr als fünf Portionen Obst und Gemüse aßen, hatten ein um 23 Prozent verringertes Erkrankungsrisiko im Vergleich zu den Probandinnen, die weniger als zweimal täglich zu den Fitmachern griffen.

Selbst den geistigen Abbau im Alter können Vitamine offenbar bremsen. Ein Test mit 341 Alzheimer-Patienten durch ein Team um die New Yorker Wissenschaftlerin Mary Sano lieferte Hinweise, dass Vitamin E die Zerstörung von Gehirnzellen aufhält. Genauere Daten soll eine große Studie liefern, die an 80 Kliniken in den USA und Kanada durchgeführt wird.

Die Mikronährstoffe wirken nicht nur im Körper, sondern auch von außen. Kosmetikforscher bewiesen jetzt, dass Cremes, die unter anderem die Zellschutzvitamine A, C und E enthalten, Stärke sowie Elastizität der Haut verbessern und sogar Fältchen verringern können.

In Sonnenschutzprodukten vermindert Vitamin-A-Säure die Hautkrebsgefahr, weil sie die Hautzellen vor dem Bräunen mit den schützenden Wirkstoffen auffüllt. Eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts für Physiologische Chemie der Universität Düsseldorf gibt neue Hinweise, dass Beta-Carotin, das der Körper zu Vitamin A umwandelt, auch von innen gegen Sonnenbrand wappnet.

Der Vitaminbedarf richtet sich auch nach dem Gesundheitszustand und der Lebenssituation

Durch verstärkten Energie- und Kohlehydratstoffwechsel haben Sportler einen erhöhten Bedarf an den zellschützenden Vitaminen C, E und Beta-Carotin sowie an Vitamin B1.

Raucher haben einen um zirka 40 Prozent erhöhten Bedarf an Vitamin C und einen bis zu 50 Prozent erhöhten Bedarf an Vitamin E.

Schwangere haben einen um 30 bis 100 Prozent erhöhter Vitaminbedarf. Besonders wichtig: Folsäure, um Schädigungen des Kindes (Neuralrohrdefekt) sowie Fehlgeburten vorzubeugen.
Bei Diabetes zeigt sich häufig ein krankheitsbedingter Mangel an Vitamin C und E sowie ein erhöhter Bedarf an B-Vitaminen 1, 6 und 12 (Vorbeugung oder Therapie der Nervenkrankheit Polyneuropathie). Zur Vorbeugung von Mikroangiopathie (Verstopfung kleiner Blutgefäße) kann zusätzlich Vitamin E (insgesamt 100 mg) empfohlen werden.

Bei Herzpatienten unterstützen besonders die beiden Vitamine C und E körpereigenen Gefäßschutz.

Bei einer Diät besteht ein erhöhter Vitaminbedarf durch oft einseitige Ernährung.

Der Energiebedarf sinkt, der Vitaminbedarf bleibt aber gleich. Ältere Menschen zeigen oft Defizite vor allem bei den Vitaminen A, C, B2 und B1. Besonders für Frauen ist Vitamin D wichtig zur Vorbeugung von Knochenschwund (Osteoporose).




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