Auch Selbsthilfegruppen brauchen Geld - Patienten in den Fängen der Pharmaindustrie

Für viele Menschen mit chronischen Krankheiten, besonderen Leiden oder seltenen Behinderungen ist die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe oft überlebenswichtig. Denn hier meistern sie die Probleme des Alltags gemeinsam, erhalten Insider-Informationen, Tipps für den Umgang mit der Krankheit und vor allem das Gefühl, mit dem jeweiligen Leiden nicht allein zu sein.

Das Geschäft auf Gegenseitigkeit mit der Pharmaindustrie kann für die Betroffenen durchaus von Nutzen sein. „Ohne die Pharmaindustrie würde es uns nicht geben", hört man immer öfter im Gespräch mit den segensreichen Selbsthilfe-Organisationen. Auch die Teilnahme an Studien wird meist positiv gesehen, solange sie den Teilnehmern nützt. Selbsthilfegruppen, für deren Krankheiten keine Therapien zur Verfügung stehen, schauen dabei allerdings „in die Röhre". Auch die Initiativen, die der Schulmedizin und Pharmaindustrie kritisch gegenüber stehen, sind nicht gerade die Lieblinge der Geldgeber.

Denn nicht immer sind diese neuen Vernetzungen zum Wohle der Mitglieder ausgelegt. Deren wirkliches Anliegen gerät allzu schnell zugunsten pharmazeutischer Forschungen aus dem Blickfeld, nämlich das Leben mit der Krankheit bestmöglich zu bewerkstelligen und dabei Unabhängigkeit im Alltag zu bewahren. Für die Pharmafirmen ist dies hingegen eine höchst erfreuliche Entwicklung. Sie kommen ihrem Endverbraucher damit ein großes Stück näher, umschiffen elegant das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente und lancieren ihre Produkte direkt in die Selbsthilfegruppen und deren Organe.

Mein Rat an Sie: Wenn Sie erkrankt sind oder ein chronisches Leiden haben, sind Medikamente sehr wahrscheinlich von großer Bedeutung für Ihre Behandlung und Genesung. Viele Arzneien sind einfach unersetzlich und natürlich ist nicht alles schlecht, was die Pharmaindustrie macht. Kritisch wird es jedoch immer dann, wenn die mit einer Therapie verbundenen Risiken unter den Teppich gekehrt werden, wenn die Risiken höher sind als der Nutzen. Deswegen ist eine unabhängige und kritische Haltung wichtig. Wenn Sie sich einer solchen Organisation anschließen wollen, prüfen Sie genau, wie unabhängig diese Gruppe ist. Erhalten Sie hier unabhängige oder gesteuerte Informationen, die nicht unbedingt zu Ihrem Wohl sind ?

Aus vielen Selbsthilfegruppen sind Patientenorganisationen geworden - zum Teil mit grossem Budget und finanziert von Arzneimittelfirmen. Einge Beispiele aus Deutschland: Im Jahre 2010 haben deutsche Patientenorganisationen vom Pharmakonzern ROCHE rund 740'000 Euro erhalten, NOVARTIS spendierte über 670'000 Euro und der US-Konzernm PFISTER war mit 485'000 Euro dabei.

Welchen Einfluss hat das viele Geld auf die Selbsthilfe ? Es ist genauso wie bei Aerzten, die von Pharmafirmen Geschenke annehmen oder sich zu Kongressen im Strandhotel einladen lassen. Da entstehen Interessenkonflikte. Arzneimittelfirmen sind keine Wohltäter - sie wollen ihre Produkte absetzen und Profit erzielen !!

Pharmakonzerne finanzieren besonders gerne Patientenorganisationen für chronische Erkrankungen - manchmal gründen sie sie sogar selbst. Denn da "lohnt sich" eine Einflussnahme besonders. Manche der Betroffenen werden mit der Zeit zu "professionellen Kranken" mit öffentlichen Auftritten und bemerken nicht, wie ihr Denken von den Vermarktungsinteressen der Arzneimittelanbieter gelenkt wird.