Altersbedingte Makula-Degeneration - Andrea Bannert - @ NetDoktor.de

Carotinoide können einer Altersbedingten Makuladegeneration vorbeugen. Eine neue Studie zeigt, dass entsprechende Nahrungsergänzungsmittel die schützende Pigmentierung in der Netzhaut verstärken.

Carotinoide schützen vor Altersbedingter Makuladegeneration
Unscharfe Stellen, graue Flecken, zuletzt das ganze Blickfeld als dunkler Fleck – eine Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) nimmt Menschen schleichend die Sicht. Die Ursache: Netzhautzellen im Bereich der meisten Sehzellen – dem gelben Fleck - gehen zugrunde. Die Augenerkrankung ist häufig, in den Industrieländern seien vor allem Menschen jenseits des 65. Lebensjahres betroffen, schätzt der Berufsverband der Augenärzte. Jetzt haben Jenaer Forscher eine überraschende Entdeckung gemacht: Wer größere Mengen Carotinoide und Omega-3-Fettsäuren zu sich nimmt, kann die Entwicklung dieser Augenkrankheit vorbeugen oder sie aufhalten. Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Substanzen erhöhten den Eigenschutz der Netzhaut und sorgten für eine bessere Pigmentierung. „Eine ausgewogene Ernährung kann vor AMD schützen“, sagt Studienleiterin Christin Arnold im Gespräch mit NetDoktor.

„Ausgewogene Ernährung schützt“
Die Oecotrophologin und Team untersuchten, wie sich die Einnahme von Carotinoid-Kapseln auf die Pigmentierung in der Netzhaut bei Patienten mit Altersbedingter Makuladegeneration (AMD) auswirkte. Für die Tests verwendeten die Forscher ein Nahrungsergänzungsmittel, dass neben den beiden Carotinoiden Lutein und Zeaxanthin auch Omega-3-Fettsäuren enthält. In jeder Kapsel steckten 10 Milligramm Lutein, 1 Milligram Zeaxanthin und 130 Milligramm Omega-3-Fettsäuren.

172 Testpersonen mit der trockenen Form der AMD wurden in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe eins erhielt nur Placebo-Kapseln ohne Wirkstoff, Gruppe zwei eine Carotinoid- und eine Placebokapsel und Gruppe drei nahm täglich zwei Carotinoid-Kapseln und damit die doppelte Menge der Wirkstoffe ein. Die Forscher beobachteten die Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr.

Das Ergebnis: Schon nach einem Monat stellten die Wissenschaftler eine Erhöhung der Netzhautpigmentierung bei den Gruppen zwei und drei fest, die Carotinoidpillen eingenommen hatten. Sie hielt über den gesamten Versuchszeitraum an. Auch die Konzentration an Omega-3-Fettsäuren im Blutplasma stieg an, ebenfalls nach einem Monat. Die doppelte Dosis Carotinoide hatte aber keinen größeren Effekt. Bei der Placebo-Gruppe ließ sich keine Veränderung nachweisen.

Lutein und Zeaxanthin lagern sich in die Netzhaut ein und verstärken die Pigmentierung in der Makula – dem Bereich mit den meisten Sehzellen, der das Scharfsehen ermöglicht. „Der Mensch kann diese Carotinoide nicht selbst herstellen, wir müssen sie über die Nahrung aufnehmen“, erklärt Arnold. Ihre Funktion: Sie fangen gefährliche Radikale ab, die zum Beispiel durch das Sonnenlicht gebildet werden, und wirken so wie eine natürliche Sonnenbrille. Radikale greifen die Sehzellen des Auges an und schädigen diese. Dann transportieren sie Abfallprodukte des Stoffwechsels schlechter ab und es kommt zu den Ablagerungen, die eine AMD auslösen.

Omega-3-Fettsäuren schützen unter anderem vor Entzündungen. „Bei der Entstehung der Makuladegeneration spielen sie eine wichtige Rolle“, so Arnold. Die Krankheit werde aber durch viele Faktoren ausgelöst, wobei noch nicht alle Ursachen bekannt seien.

Nicht vorbeugend schlucken
Die beiden Carotinoide Lutein und Zeaxanthin findet man natürlicherweise vor allem in grünem Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl oder Feldsalat. Auch in Früchten kommen sie in geringeren Mengen vor. Außerdem sind sie für die gelbe Farbe des Eidotters verantwortlich. Omega-3-Fettsäuren sind in fetten Seefischen wie Thunfisch, Lachs oder Makrele vorhanden.

„Eine carotinoidreiche Ernährung ist vor allem für Menschen mit erblicher Vorbelastung zu empfehlen“, so Arnold. Das AMD-Risiko sei erhöht, wenn in der Familie ein Verwandter ersten oder zweiten Grades erkrankt ist. „Nahrungsergänzungsmittel sind dann sinnvoll, wenn man bereits an der Erkrankung leidet und der Arzt sie empfiehlt.“ Von der vorbeugenden Einnahme von Carotinoid-Kapseln rät Arnold aber ab. „Wenn man gegen alle Krankheiten etwas einnehmen würde, müsste man jeden Tag eine ganze Schachtel Tabletten schlucken.“