Vorsorgechecks: nur bedingt sinnvoll !

Immer wieder werden sie gepriesen: Gesundheits-Checks. Doch offenbar haben sie praktisch keinen Nutzen, berichten Cochrane-Forscher. Sie warnen aber auch vor voreiligen Schlüssen.

KOPENHAGEN (rb). Patienten, die sich allgemeinen Gesundheitschecks unterziehen, haben weder eine niedrigere Mortalität noch eine geringere Morbidität im Vergleich zu Personen, die keine solchen Checks vornehmen lassen. Dies haben Forscher des Nordic Cochrane Center in einem Interventions-Review herausgefunden (The Cochrane Library 2012; online 17. Oktober).

Die dänische Arbeitsgruppe um Lasse Krogsb¢ll aus Kopenhagen hatte 14 randomisierte Studien aus den Jahren 1963 bis 1999 mit über 180.000 Teilnehmern ohne bekannte Risikofaktoren unter die Lupe genommen. In ihnen war der Effekt von Checks gegenüber dem Verzicht darauf protokolliert worden.

In neun Studien mit knapp 156.000 Teilnehmern, von denen im Beobachtungszeitraum rund 12.000 gestorben waren, wurden auch Daten zur Mortalität wiedergegeben. Der Follow-up der Studien betrug zwischen vier und 22 Jahre. Im primären Endpunkt der Studie, der Mortalität, tat sich kein Unterschied zwischen den Interventions- und den Kontrollgruppen auf.

Auch in puncto Morbidität, wozu etwa Fälle von koronarer Herzkrankheit, nicht-tödliche Herz- bzw. Hirninfarkte und andere chronische Erkrankungen zählten, ergaben sich keine Vorteile für die Teilnehmer an den präventiven Untersuchungen. Und dies, obwohl die untersuchten Probanden mehr Hypertonie- und Hypercholesterinämie-Diagnosen erhielten.

Insgesamt stieg durch das allgemeine Screening die Zahl neuer Diagnosen im Verlauf von sechs Jahren um 20 Prozent.

"Unsere Ergebnisse implizieren nicht, dass Ärzte auf klinisch motivierte Tests und Präventionsmaßnahmen verzichten sollten", stellen die Cochrane-Forscher jedoch klar.

Solche Aktivitäten könnten vielmehr gerade der Grund sein, weshalb ein Effekt der Check-ups nicht habe gezeigt werden können. Im öffentlichen Gesundheitswesen aber solle man der Versuchung widerstehen, allgemeine Gesundheitschecks systematisch anzubieten.


Vorsorgeuntersuchungen allgemein
Ein Beispiel für die Überversorgung sind die sogenannten Vorsorgeuntersuchungen, die gar keine echte Gesundheitsvorsorge sind, sondern der zweifelhafte Versuch, Krankheiten, die nicht vorsorglich durch eine vernünftige Lebensführung verhindert wurden, frühzeitig erkennen und therapieren zu wollen. Eine teure Irreführung der Krankenversicherten. Denn die Versicherten werden trotz der „Vorsorgeuntersuchung“ über kurz oder lang erkranken, weil sie in unserem System nicht wahrheitsgemäß über Krankheitsursachen (Mangelernährung, Schadstoffbelastung etc.) und deren Vermeidung aufgeklärt werden. Da schulmedizinische Maßnahmen meist nicht heilen, sondern nur Symptome unterdrücken, bleiben die Erkrankten dem Medizinbetrieb als lukrative chronisch Kranke erhalten. Würde dagegen eine echte primäre Gesundheitsvorsorge betrieben, indem die Versicherten über die Vermeidung von Krankheitsursachen systematisch aufgeklärt bzw. Umweltgefahren von der Politik reduziert würden, gäbe es weitaus weniger Kranke und damit erheblich weniger Kosten im Gesundheitswesen.