Strukturwandel in der Landwirtschaft - eine Sackgasse - Gedanken eines Südbündner BIO Bauers

Mit dem so genannten Strukturwandel in der Landwirtschaft geben zunehmend bodenferne Kräfte den Ton an:
während Fahr- und Flugzeuge sowie Rasenmäher,Trimmer, Laubbläser etc. unbehindert Lärm und Gestank verursachen, die Agrarindustrie mit ihren unberechenbaren Chemikalien und Genspielereien Leben aller Art auslöscht und unser Trinkwasser belastet, multinationale Lebensmittelverarbeiter krank machende Lebens-Mittel auf die Märkte bringen, Böden unbehelligt versiegelt werden dürfen und der bäuerlichen Landwirtschaft den Garaus machen, scheint es kaum Mächte zu geben, welche sich von der allgegenwärtigen Raubtiermentalität distanzieren und sich an den gesunden Menschenverstand erinnern. Selbst BioSuisse und die mit ihr verbundene Forschungsanstalt Fibl haben die Seite gewechselt und spielen heute in der «Superliga» ums grosse Geld!

So sind wir ohne grosse Hilfe von aussen dem enormen Druck der Kontrollinstanzen ausgesetzt, welche kaum einen Unterschied machen, ob es sich bei den zu Kontrollierenden nun um industrielle Anlagen oder bäuerliche Höfe handelt. Wir stehen mit unseren organisch gewachsenen Strukturen im direkten Wettbewerb mit der Industrie. Entscheidend wichtig ist es nun, Wege zu finden unserer Ohnmacht in Sachen «Kontrollen aller Art» etwas entgegenzusetzen. Hierfür haben wir ein Formular entworfen, das helfen soll, einerseits den einzelnen Kontrolleuren nicht die gesamte Macht zu überlassen und andererseits unsere Position schwarz auf weiss mitzuteilen. So können wir persönliche Angriffe beider Seiten eher verhindern, um einen Austausch in gegenseitigem Respekt zu führen.

Welche Bäuerin, welcher Bauer kennt das nicht, mitten im Tagesgeschehen mit oder ohne Anruf: Betriebskontrolle!
Jemand aus unserem Umfeld hat beim Kantonstierarzt Tierschutzbedenken angemeldet, die Umsetzung der Bioverordnungen angezweifelt oder die Verarbeitung, den Hofverkauf beanstandet, Belästigungen angemeldet durch Geruch, Gekrähe, Geläut und so weiter. Dann heisst es eben: Kontrolle, oder anders herum: unser Staatsapparat will der «Kontrollitis» nicht Einhalt gebieten.

Meistens kommt dann ein Herr, eine Frau,welcher/e die Situation prüft. Da wird es ernst. Kommen wir als Bauern noch zu Wort – sind wir schon vorverurteilt? Wird die Gesamtsituation berücksichtigt? Werden unsere Argumente ernsthaft angehört? Haben wir das Gefühl, die Kontrollperson habe Sachkenntnis? Werden wir gebührend respektiert?

Diese und andere Fragen und ausstehende Antworten bleiben uns Vielkontrollierten meistens im Hals stecken. Zurück bleiben nicht selten Frustration und Wut.

Dies kann nicht im Interesse der Kontrollinstanzen sein und noch viel weniger im Interesse von uns Bauern.