Achtung: Viel Zucker in gängigen Getränken

Viele Menschen ahnen nicht, wie viel Zucker - und damit auch Kalorien - in gängigen Getränken enthalten sind. Das gilt besonders für jene Durstlöscher, die als "gesund" gelten, berichten Stoffwechselforscher der Universität Glasgow. Wie ihre Befragung unter 2.000 Briten zeigt, werden die meisten Getränke im Zuckergehalt um zwei bis sechs Teelöffel unterschätzt. "Getränke können dem Körper genauso schaden wie die falsche Nahrung", warnt Studienleiter Naveed Sattar.
Reiner Apfelsaft wurde im Test auf vier Teelöffel Zucker pro gezeigter Einheit geschätzt, er enthält jedoch das Doppelte. Bei Orangensaft und Ganzfruchtgetränken, den "Smoothies", verhält es sich ähnlich: Sie beinhalten jeweils sechs Teelöffel Zucker, die Schätzung beläuft sich aber nur auf vier. Drastischer fällt der Denkfehler bei Schokomilchshakes aus, in denen die Versuchsteilnehmer statt in Wahrheit 14 bloß sechs Teelöffel vermuteten, bei gepressten Fruchtsäften (zwölf versus sieben) oder bei kohlensäurehältigem Orangensaft-Zuckergetränk (16 versus neun).

Fruchtsäfte sollten aufgrund ihres hohen Fructosegehalts nicht als Getränke, sondern als Nahrungsmittel gesehen werden. Ein Glas 100-prozentiger Orangensaft gilt bei Ernährungemedizinern als eine Portion Obst. Getränke sind jedoch nur bedingt ein guter Obstersatz: Zugesetzte Fructose erhöht die Blutfett-Werte und damit auch den Blutdruck, zeigen Studien. Zur Falle wird der Zucker-Schätzfehler vor allem für jene Menschen, die abnehmen wollen. Die Glasgower Forscher zeigten, dass Engländer im Schnitt 659 Gramm Zucker und 3.144 Kalorien pro Woche rein über nicht-alkoholische Getränke zu sich nehmen - also ein Viertel der für Frauen empfohlenen Menge, ein Fünftel jener für Männer. Doch jeder Vierte von allen, die aktuell eine Diät machen, vergisst den über Flüssigkeiten zugeführten Zucker bei der Berechnung seiner täglichen Kalorienzufuhr.