"Gliptine" - riskante Diabetes-Pillen - @sonntagszeitung - Mariie Maurisse

Sie heissen Januvia, Galvus, Onglyza, Xelevia und Trajenta. Seit 2007 gehören dieses sogenannten Gliptine zu den Hoffnungsträgern für viele Diabetiker - vor allem Type-2-Diabetiker. Sie können damit ihren Blutzucker regulieren, verringern die Risiken für eine Unterzuckerung und müssen sich nicht selber spritzen. Gemäss Santésuisse schlucken täglich über 140'000 Menschen in der Schweiz die kleinen Pillen und der Absatz der teuren Pillen steigt hierzulande mit zweistelligen Zuwachsraten. Die Grundversicherungen bezahlten für GLIPTINE im Jahre 2012 total 44 Millionen Franken.

Doch seit langem äussern viele Aerzte und Experten Kritik. Sie warnen vor gefährlichen Nebenwirkungen und zweifeln an der Wirksamkeit. Die gemeldeten Fälle von Nebenwirkungen sind augenfällig. In Frankreich verzeichnete die zuständige Agentur letztes Jahr 930 Fälle von Nebenwirkungen. Swissmedic erhielt 111 Meldungen seit 2007. Am häufigsten traten Beschwerden mit der Bauchspeicheldrüse auf - 30 % der Nebenwirkungen waren gravierend.

Die französische Medizinzeitschrift "Prescrire" rät seit September 2012, die Gliptine nicht mehr zu verschreiben: "Für den einzelnen Patienten sind die Gefahren höher als der Nutzen. In den Studien sieht man, dass die Patieneten neben der Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auch öfter Infektionen haben unde teilweise gravierende allergische Reaktionen"
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Viele der befragten Aerzte führen ein weiteres Argument ins Feld, warum sie lieber auf GLIPTINE verzichten: "Trotz Risiken für Nebenwirkungen sei die Wirkung des Medikaments nicht spektakulär. Gemäss Studien verringern GLIPTINE den Wert, der als Mass für den durchschnittlichen Blutzucker gilt, um lediglich 0,4 bis 0,8 Prozent. Das ist etwas besser als ein Plazebo, aber weniger als der Wirkstoff METFORMIN, der üblicherweise zuerst verschrieben werde. GLIPTINE habe auch keine nachweisbare positive Wirkung auf gängige Diabetes-Komplikationen am Herzen, den Nieren oder der Netzhaut.

Die französische Gesundheitsaufsicht kritisiert die GLIPTINE seit mehreren Jahren - der medizinische Nutzen sei ungenügend. In den USA laufen in verschiedenen Bundesstaaten Sammelklagen wegen angeblicher Nebenwirkungen gegen die Hersteller.

Der Chefredaktor der unabhängigen Medizinplattform "infomed.ch" sagt: "Wir haben keine Beweise, dass dieses Medikament etwas am Schicksal des Patienten ändert - es ist daher kosmetisch. Weil es keine beweisbaren Vorteile hat, wiegen die Nachteile schwer".

Wie bereits erwähnt, sind GLIPTINE sehr teuer - eine Packung mit 28 Tabletten Januvia kostet 72.10 Franken. Vielleicht erklärt das so manches !!!

Es ist schon erstaunlich, wie leichtfertig und sorglos Medikamente in der Schweiz zugelassen werden, während der Verkauf von harmlosen VITALSTOFFEN übertrieben streng reglementiert und eingeschränkt wird. "Ein Schelm, wer Böses dabei denkt."