> Ältere Menschen sind häufig von Mangelernährung betroffen - München (netdoktor.de)

Bei vielen älteren Menschen ist das Risiko für einen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich erhöht. Die Ursachen hierfür sieht man hauptsächlich in der Einnahme von Medikamenten, bestimmten Erkrankungen sowie in altersbedingten Aufnahmestörungen im Magen-Darm-Trakt. Daneben kann schlichtweg auch die häufig vorkommende Fehlernährung im Alter ursächlich sein. Wie beugen Sie vor?

Ist der Körper des älteren Menschen über einen längeren Zeitraum unterversorgt, sollten die Folgen nicht unterschätzt werden. Ein Mangel an zum Teil lebenswichtigen Nährstoffen kann zu einer Beeinträchtigen der körperlichen und geistigen Fitness beitragen und auch die Entstehung altersbedingter Erkrankungen beschleunigen.
Mangel an B-Vitaminen als Risikofaktor

Ein Vitamin-B12-Mangel ist bei älteren Menschen relativ häufig vorzufinden. Oft liegt die Ursache hierfür bei Aufnahmestörungen im Magen-Darm-Trakt. Ist der Mangel an Vitamin B 12 deutlich ausgeprägt, kann es in der Folge zu

Missempfindungen
Gangunsicherheit
Gedächtnisstörungen
Depressionen und
Demenz
kommen. Oft werden diese Symptome nicht ausreichend erkannt oder aber nicht dem Mangel an B12 zugeordnet.

> Magnesiummangel als Beschleuniger altersbedingter Erkrankungen
Im Alter treten Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ-2 besonders häufig auf. Der Mangel an Magnesium steht in Verdacht, die Entstehung dieser Erkrankungen zu fördern. Insbesondere Diabetiker weisen stoffwechselbedingt häufig einen Mangel an Magnesium auf, was dazu führt, dass diabetische Folgeerkrankungen wie Schäden an Gefäßen und Nerven begünstigt werden.

> Fehlende Vitamine, Eiweiße, Mineralstoffe:
In Deutschland müssen immer mehr Senioren wegen einer Mangelernährung ins Krankenhaus. In den vergangenen zwei Jahren sei die Zahl der Betroffenen um mehr als 50 Prozent angestiegen, ergab eine Statistik der Krankenkasse DAK. Es waren deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Im Schnitt waren die Patienten 70 Jahre alt.
Bundesweit wurden im Jahr 2010 mehr als 17.000 Krankenhausbehandlungen mit der Haupt- oder Nebendiagnose Mangelernährung abgerechnet. 2008 waren es noch rund 11.000 Fälle. Meist stellten die Ärzte einen Eiweiß- oder Vitaminmangel fest, wenn andere Haupterkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche oder ein Oberschenkelhalsbruch behandelt wurden. "Der drastische Anstieg der Senioren mit einer Mangelernährung ist erschreckend und setzt sich leider auch 2011 fort", erklärt DAK-Krankenhausexperte Peter Rowohlt. "Wir rechnen in diesem Jahr mit mehr als 21.000 Klinikbehandlungen, in deren Verlauf ein Mangel an Nährstoffen diagnostiziert wird." Dies beeinflusst die Behandlung der Haupterkrankung meist negativ und treibt auch die Kosten nach oben. Die Diagnose einer Mangelernährung verteuert einen Krankenhausfall im Durchschnitt um 3.000 Euro. Die DAK rechnet daher allein in diesem Jahr mit Mehrausgaben von bis zu 60 Millionen Euro, die durch Mangelerkrankungen ausgelöst wurden.

Alte Menschen sind besonders anfällig für eine Mangelernährung, weil mit den fortschreitenden Lebensjahren der Appetit nachlässt und das Geschmacksempfinden sich verändert. Auch chronische Krankheiten, die im Alter häufiger auftreten, können eine Mangelernährung begünstigen. Eine mangelhafte Ernährung kann weitreichende Folgen haben. Das fängt bei Müdigkeit, Schwäche und vermehrter Infektanfälligkeit an und kann bis zur Störung wichtiger Organfunktionen sowie zum Tode führen.

Mangel- und Fehlernährung zählen zu den häufigsten und am wenigsten beachteten Erkrankungen bei alten Menschen. Experten schätzen, dass in der Altersgruppe 60 plus etwa 1,6 Millionen Bundesbürger (von insgesamt 19,4 Millionen) unter chronischer Mangelernährung leiden. (im)



>>> Vitamin-B12-Mangel im Alter: Werte regelmäßig kontrollieren,
ein Vitamin-B12-Mangel ist die häufigste Mangelerkrankung bei älteren Menschen. Jeder Dritte über 65 Jahre hat zu niedrige Werte. Der Mangel entwickelt sich, wenn die Aufnahmefähigkeit des Organismus für das Vitamin nicht mehr ausreicht. Das kann verschiedene Ursachen und langfristig gravierende Folgen haben.

Normalerweise ist in einer ausgewogenen Mischkost, die auch Fleisch enthält, genügend Vitamin B12 vorhanden, so dass es zu keinen Mangelzuständen kommen sollte. Auch diejenigen, die kein Fleisch essen, sind nicht automatisch unterversorgt, obwohl das Vitamin fast ausschließlich in tierischen Produkten steckt.

Vitamin B12, auch Cobalamin genannt, wird unter anderem für die Bildung der roten Blutkörperchen benötigt. Es ist an allen Wachstumsvorgängen wie der Neubildung von Zellen beteiligt. Es ist für die Reifung des Nerven- und Blutgewebes sowie von Haut- und Schleimhautzellen zuständig. Es gilt als Nervenschutzvitamin, da es die Schutzhülle um die Nerven stärkt. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kann es so weit kommen, dass die Nervenfasern freiliegen und nachhaltig geschädigt werden. Zudem ist das Vitamin wichtig für die Bildung von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffe) und den Abbau des gefäßschädigenden Homocysteins, das als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall gilt.

Vitamin B 12 spielt für die Funktion des Gehirns eine sehr wichtige Rolle. Viele Menschen bekommen diesen wichtigen Nährstoff mit zunehmendem Alter nur schwer in ausreichenden Mengen. Wenn bei Ihnen die Diagnose Demenz oder Alzheimer gestellt worden ist oder wenn Sie einfach nur Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis haben, dann lassen Sie Ihre B-12 Werte bestimmen. Vitamin B-12 Mangel kommt bei älteren Menschen so häufig vor, dass diese oftmals unnötigerweise in ein Pflegeheim verlegt werden, obwohl sie eigentlich nur eine Ergänzung mit Vitamin B 12 zusammen mit B-Komplex gebraucht hätten. Dies und die tägliche Einnahme von Fischöl oder Leinöl (DHA) können viel dazu beitragen, dass beschriebene Problem zu beheben.

>>> Gefährdete Senioren - Arzneinotfälle: Meist sind Allerweltsmedikamente schuld -
Quelle: springermedizin.de
Notfallmäßige Klinikaufnahmen von über 65-Jährigen wegen unerwünschter Arneimitteleffekte gehen nur selten auf Hochrisikomedikamente zurück. Auslöser sind in zwei von drei Fällen Vitamin-K-Antagonisten, Insuline, Thrombozytenaggregationshemmer oder orale Antidiabetika – allein oder in Kombination.

Diese Erkenntnis ist Frucht einer Studie, die Daniel Budnitz von den US-Centers for Disease Control and Prevention zusammen mit Kollegen vorgelegt hat. Zwar stammen alle Daten aus den USA. Doch allein schon die beteiligten Präparate legen nahe, dass die Situation in Europa bzw. Deutschland nicht viel anders aussehen dürfte.

In einer einschlägigen Datenbank identifizierten Budnitz und sein Team gut 5000 Fälle, da Frauen oder Männer ab einem Alter von 65 wegen eines arzneibedingten Notfalls stationär hatten behandelt werden müssen. Auf die Jahre 2007 bis 2009 hochgerechnet, wären in den Vereinigten Staaten insgesamt rund 100.000 Personen betroffen gewesen. Die Hälfte der Eingelieferten hatte bereits das 80. Lebensjahr überschritten. In zwei Drittel der Fälle hatten Überdosierungen das Unglück verursacht.

Multimedikation als Problem
Vier Medikamente oder Medikamentenklassen waren – einzeln oder kombiniert – zu 67% in die Malaise verwickelt: Warfarin (33,3%), Insuline (13,9%), orale Plättchenhemmer (13,3%) und orale Blutzuckersenker (10,7%). Hochrisikomedikationen hingegen spielten nur in 1,2% der Ereignisse eine Rolle. Als hochriskant stufen die Autoren beispielsweise das Antipsychotikum Thioridazin, den Kalziumkanalblocker Nifedipin und einige lang wirkende Benzodiazepine wie Diazepam ein.

Wie dringlich die Lage ist, verdeutlichen die Wissenschaftler mit weiteren Zahlen. So nehmen 40% der über 65-Jährigen fünf bis zehn Medikamente ein. 18% schlucken täglich sogar zehn oder mehr verschiedene Präparate. Durch die zunehmende Lebenserwartung der Menschen und die Überalterung der Gesellschaft könnte sich das Problem der Polypharmazie künftig noch verschärfen.

>>> Ältere Menschen haben oft einen erhöhten Homocystein-Spiegel
zu hohe Homocysteinwerte gelten neuerdings unter Experten als Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen. Zu viel Homocystein verletze nachweislich die Wände der Blutgefäße, lasse das Blut schneller verklumpen, fördere die Arterienverkalkung und damit auch die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall, sagen die Forscher. Die Ursache für einen zu hohen Homocysteinspiegel ist meist ein Vitaminmangel. Jeder zweite über Fünfzigjährige soll nach ihren Erkenntnissen zu hohe Werte aufweisen.

Bei älteren Menschen hat der Bonner Ernährungsforscher Professor Klaus Pietrzik einen Grund für einen zu hohen Homocystein-Spiegel ausgemacht: Rund 30 bis 50 Prozent aller über 60-Jährigen leiden unter einer Entzündung der Magenschleimhaut mit Magenschmerzen, Übelkeit und im schlimmsten Fall Magenblutungen. Aufgrund dieser Gastritis können die Betroffenen nicht genügend Vitamin B aufnehmen. Denn das kann nur ein gesunder Magen in ausreichendem Maß.
Darüber hinaus gibt es einige Grunderkrankungen, die einen solchen Vitaminmangel mit sich bringen können - dazu zählen chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa, die die Vitaminaufnahme behindern, Nieren- und Krebserkrankungen. Aber auch zu viel Alkohol, Rauchen und Dauerstress beeinflussen Ihren Vitaminstoffwechsel.

Auch wenn dies Vegetariern und Veganern nicht schmeckt: Mageres Fleisch und Leber leisten aufgrund ihrer Nährstoffdichte einen wertvollen Beitrag zur Versorgung mit B-Vitaminen. Die zur Senkung des Homocysteinspiegels wichtigen Vitamine B6 und B12 sind in allen Fleischsorten in hoher Konzentration enthalten. Folsäure findet sich hauptsächlich in Innereien und grünem Gemüse. B12 ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Hervorzuheben ist, dass Folsäure aus tierischen Nahrungsmitteln eine besonders hohe Bioverfügbarkeit hat - im Körper also besonders gut verwertet wird. Aufgrund der Eigenheiten von Fleisch muss bei der Zubereitung mit weniger Vitaminverlusten gerechnet werden.

Und wie hoch ist Ihr Homocysteinwert? Das kann Ihr Arzt im Rahmen einer üblichen Blutuntersuchung feststellen.

Das sind die Risikobereiche:
12 bis 30 Mikromol/l : leicht erhöhte Homocysteinwerte
30 bis 100 Mikromol/l: erhöhte Homocytseinwerte
über 100 Mikromol/l: sehr hohe Homocysteinwerte